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Das Hobby Eisenbahn hat viele Facetten. In unregelmässigen Abständen werde ich hier kurze Texte und Bilder zu verschiedensten Bahn-Themen hochladen.
Ich wünsche viel Spass
Matthias Emmenegger
Seit 1928 ist die Liliputbahn im Wiener Prater ein beliebtes Erlebnis. Die Fahrt beginnt am Riesenrad, führt durch den Wurstelprater und den Grünen Prater in Richtung Ernst Happel Stadion und zurück. Die etwa 4 km lange Strecke dauert rund 20 Minuten und bietet die Möglichkeit, historische Lokomotiven zu erleben. Besonders für Familien und Eisenbahnfreunde ist die Fahrt ein lohnenswertes Erlebnis. Die Original-Dampflokomotiven aus der Gründungszeit sind an Wochenenden und Feiertagen im Einsatz.
Einfach den Wegweisern «Liliputbahn» folgen und man findet den etwas versteckt gelegenen Hauptbahnhof.
Die heute nicht mehr vorhandene Dampflok Da 3 zieht 1955 ihren Zug vor der grandiosen Kulisse des Prater Riesenrades.
Die Liliputbahn startet am Prater Hauptbahnhof und führt zur Station „Schweizerhaus-Luftburg“ und weiter zur „Rotunde“, mit Anschluss an die Straßenbahnlinie 1. An jeder Station kann ein- und ausgestiegen werden. Es gibt Tickets für die gesamte Rundfahrt sowie Teilstreckenkarten und Tages- oder Jahreskarten.
Übersichtskarte zur Strecke
Ein Zug mit der D1 wartet 2024 auf die Abfahrt am Hauptbahnhof
Ein Extrazug ist mit der Dampflok Da 1 und dem Salonwagen unterwegs
Die Strecke
Die Liliputbahn wird im Einrichtungsbetrieb im Uhrzeigersinn (Rechtsverkehr) befahren. Es gibt keine Ausweichen, jedoch Gleisverbindungen. Der Betrieb erfolgt im Zeitabstand ohne Streckenblock und Fahrdienstleiter. Die Weichen im Remisenbereich sind manuell betätigte Feldbahnweichen mit Gelenkzungen und Stellgewicht. Im Bereich des Prater Hauptbahnhofs ist eine vollautomatische Blocksteuerung mit Schutz- und Ausfahrsignal installiert.
Im Hauptbahnhof wird die Abfahrt mit einem Signal geregelt.
Technische Daten
Streckenlänge: 3,9 km Rundkurs
Stationen: 4 (Prater Hbf, Schweizerhaus-Luftburg, Rotunde, Stadion)
Spurweite: 381 mm (15 Zoll)
kleinster Radius: 20m
größte Neigung: 14 ‰
Schienentype Vignol: S10 / S20
Schienentype EK: Ri59
Schwellen: Holz und Beton
Betrieb
Die Liliputbahn fährt täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr. Der Fahrplan sieht einen Halbstundentakt vor, der bei hohem Andrang auf einen Viertelstundentakt angepasst wird. Bei starkem Andrang werden zusätzliche Züge eingesetzt. Der Betrieb kann bei schlechtem Wetter eingestellt werden.
Eine Betriebsaufnahme aus dem Jahre 1955
Ein mit der Da 1 geführter Zug bei der Haltestelle Rotunde im Jahr 2006
Ebenfalls 2006 ist die Diesellok D1 mit ihrem Zug unterwegs
Die Lokomotiven
Die Liliputbahn im Prater ist eine der wenigen Eisenbahnen Europas, die noch Dampflokomotiven im Planverkehr einsetzt. Da es sich bei den über 90 Jahre alten Maschinen um wertvolles technisches Kulturgut handelt, beschränkt sich deren Einsatz aber auf Tage mit starkem Publikumsandrang, also Wochenenden oder Veranstaltungstage. Aber auch die Diesellokomotiven sind bereits sehenswerte, um die 60 Jahre alte Oldtimer.
Dampflokomotiven Da 1 und 2
Ursprünglich besass die Liliputbahn zwei, später drei Dampflokomotiven. 1960/61 wurde die jüngste der drei Dampfloks zur Diesellok D 2 umgebaut und ist so heute noch in Betrieb.
Insgesamt wurden von 1925 bis 1950 15 dieser Lokomotiven für verschiedene Parkeisenbahnen gebaut, 10 davon sind heute noch betriebsfähig erhalten. Im Gegensatz zu den großen Dampfloks werden sie nur von einer Person bedient, der Lokführer ist also gleichzeitig auch der Heizer.
Eine Portraitaufnahme der Da 2 im Jahre 1955
Die Bedienelemente der Da 2
Erbauer: 1928 Krauss & Co, München
Technische Daten:
Achsfolge: 2 C1
2-Zylinder Nassdampflokomotiven mit Steinkohlefeuerung
Heizfläche / Kesseldruck: 14 m² / 13 bar
Indizierte Leistung: 22 kW
Dienstgewicht: 8,6 t
Länge ü. Kupplung: 7.930 mm
Klotzbremse, auf die beiden vorderen Triebradsätze wirkend
Tender: 4-achsig, Vorrat: 750 l Wasser, 250 kg Kohle
Die Da 1 im Jahre 2006 im grünen Anstrich
Insgesamt wurden von 1925 bis 1950 15 dieser Lokomotiven für verschiedene Parkeisenbahnen gebaut, 10 davon sind heute noch betriebsfähig erhalten. Im Gegensatz zu den großen Dampfloks werden sie nur von einer Person bedient, der Lokführer ist also gleichzeitig auch der Heizer.
Die Da 1 im eleganten schwarzen Anstrich 2024
Diesellokomotiven
Diesellok D1
2006 trug die D1 noch einen hellblauen Anstrich
Erbauer: 1957 Gebus, Wien
Technische Daten:
Achsfolge: B 2
Dienstgewicht: 3,6 t
Dieselmotor: Steyr WD213, 2 Zyl./4-Takt, 22 kW (30 PS), Hubvol. 2,66 l
Antrieb: Schaltgetriebe, Ketten
Klotzbremse, auf die Triebradsätze wirkend
2024 ist das blau dunkler geworden und der Zug ist der Lok farblich angepasst.
Die gesamte Maschinenanlage samt dem Fahrersitz befindet sich am vorderen Drehgestell. Der Lokführer bewegt sich daher während der Fahrt gegenüber dem Wagenkasten.
Diesellok D2
Erbauer: 1961 Schreiner & Söhne, Wien
Technische Daten:
Achsfolge: 2 C1
Dienstgewicht: 4,5 t
Dieselmotor: Steyr WD213, 2 Zyl./4-Takt, 22 kW (30 PS), Hubvol. 2,66 l
Antrieb: Schaltgetriebe, Ketten
Klotzbremse, auf die beiden vorderen Triebradsätze wirkend
Ursprünglich Dampflok Da 3 (baugleich Da 1 u. Da 2), wegen schadhaftem Kessel 1960/61 zu einer Diesellok umgebaut.
Der schadhafte Kessel ex D3 ist neben dem Hauptbahnhof ausgestellt
Diesellok D3
Erbauer: 1964 Rudolf Bauer / Schreiner & Söhne, Wien
2006 ist die D3 als Manner Werbezug unterwegs
Technische Daten:
Achsfolge: 2 B2
Dienstgewicht: 6,7 t
Dieselmotor: Steyr WD213, 2 Zyl./4-Takt, 22 kW (30 PS), Hubvol. 2,66 l
Antrieb: Schaltgetriebe, Ketten
Klotzbremse, auf die beiden Triebradsätze wirkend
An die Donauparkbahn geliefert, später in den Prater überstellt. Außergewöhnliche Fahrwerkskonstruktion mit vorlaufendem Drehgestell, querverschieblicher vorderer Triebachse und Schleppdrehgestell hinten.
Diesellok D4
Erbauer: 1967 Tobisch, Wien
Die heute rote Lok D4 wartet 2024 am Hauptbahnhof auf die Abfahrt
Technische Daten:
Achsfolge: B B
Dienstgewicht: 3,8 t
Dieselmotor: Deutz F4L-812D, 4 Zyl./4-Takt, 35 kW (48 PS), Hubvol. 3,4 l
Antrieb: hydrodynamisch, Wendegetriebe, Kuppelstangen
Scheibenbremsen auf alle Achsen wirkend
Ursprünglich Donauparkbahn, später in den Prater überstellt. Wegen konstruktiver Mängel 1990 abgestellt. 2010 nach umfangreicher Modernisierung wieder in Betrieb genommen.
Die Wagen
1928 wurden bei der Waggonfabrik Görlitz Wagengarnituren mit je sechs Wagen und Jakobsdrehgestellen beschafft. Die hölzernen Aufbauten wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und später wieder aufgebaut. Vier dieser Garnituren sind nach Sanierung weiterhin im Einsatz. Alle Züge verfügen über drei Mehrzweckabteile für Rollstühle oder Kinderwagen. Die Wagen sind mit einer Druckluftbremsanlage ausgestattet, die von der Lok bedient wird, sowie einer automatischen Mittelpufferkupplung der Bauart Scharfenberg.
Ein Wagen wurde zum Salonwagen mit Ecksitzbänken, Tischen, indirekter Beleuchtung und Audioanlage umgebaut und kann für Sonderfahrten gemietet werden.
Der bei der Liliputbahn für private Anlässe mietbare Salonwagen.
Der blaue Zug mit der D1 ist aus dem Hauptbahnhof ausgefahren
Hoffen wir, die Prater Liliputbahn fährt noch viele Jahre und erfreut weiterhin Gross und Klein
Zum Abschluss noch ein Bild vom Prater-Riesenrad
5. April 2025, Matthias Emmenegger